Ökologie

Natürlich Öko

Der „Öko-Trend“ erfasst auch die Druckindustrie. Die Nachfrage nach ökologisch „sauberen“ Druckerzeugnissen steigt. Die Druckerei Gottschalk aus Aken an der Elbe setzt ganz bewusst auf Öko-Druckfarben. Denn während sich beim Papier dank FSC/PEFC, Recycling und De-Inking-Verfahren der Umweltgedanke schon durchgesetzt hat, spielt dieser bei der Bewertung von Druckfarben eher eine Nebenrolle. Das liegt mit daran, dass in konventionellen Druckfarben seit jeher bereits nachwachsende Rohstoffe enthalten sind. So bestehen die für die Farbherstellung wichtigen Bindemittel beispielsweise aus Baumharz oder Zellulosederivaten, Lösungsmitteln aus Leinöl oder Sojaöl und Hilfsmitteln aus Stärke oder Bienenwachs. Bis zu 80 Prozent einer Farbe können auf regenerativen Rohstoffen beruhen. Der Verband der Druckfarbenindustrie stuft daher beide Farbsysteme – konventionelle und Öko-Druckfarben – als ökologisch fast gleichwertig ein. So erstaunt es auch nicht, dass in Druckereien der Einsatz konventioneller Druckfarben noch vorherrscht. Schon aus der Tradition heraus und „weil jeder sich seinen Workflow mit den herkömmlichen Druckfarben eingerichtet hat“, nennt Matthias Schmidt, Inhaber der Akener Druckerei, die Gründe. Er hat bereits vor längerer Zeit Bio-Druckfarben in sein Sortiment aufgenommen. „Wenn man den Umweltschutz-Gedanken konsequent umsetzt, dann gehören Bio-Farben auf alle Fälle dazu“, sagt Matthias Schmidt

Druckfarben tragen zu einem erheblichen Anteil zur „Öko-Bilanz” eines Druckprodukts bei. Diese unterscheiden sich von den konventionell hergestellten Druckfarben nur in einem – dafür aber wesentlichen – Punkt: Sie enthalten KEIN Mineralöl. Sämtliche Mineralölanteile sind durch pflanzliche Öle ersetzt worden. Gerade bei Offsetfarben ist Mineralöl das wichtigste Lösungsmittel. Dieser synthetische Rohstoff gilt zwar als ungiftig, ist aber wegen seiner Beständigkeit ökologisch problematisch. Er ist wasserunlöslich und damit biologisch schlechter abbaubar. Öko-Druckfarben enthalten statt Mineralöl Monoester von Pflanzenölfettsäuren. Das macht sie biologisch leichter abbaubar. „Der wichtigste Vorteil von umweltschonenden Farben ist, dass das De-Inking-Verfahren (Entfärben des mit Wasser angelösten Papier-Recycling-Breis) einfacher geht. Die Farben können rückstandsfrei entfernt werden“, erklärt Matthias Schmidt

Einsatz im Bogenoffsetdruck

Mineralölfreie Farben stehen in ihrem Druckverhalten in nichts den konventionellen Druckfarben nach. Das haben viele Versuche der Druckfarbenhersteller gezeigt. Die Qualität der Bio-Farben ist hinsichtlich Verdruckbarkeit und Farbbrillanz als durchaus gleichwertig mit mineralölhaltigen Farben zu betrachten. Auch die Anschaffung von Bio-Druckfarben ist nicht schwieriger als bei herkömmlichen. Viele Druckfarben-Hersteller führen schon seit längerem Öko-Farben in ihrem Sortiment – zu nur geringfügig höheren Preisen. Dies sei aber bei der Gesamtkalkulation des Druckerzeugnisses zu vernachlässigen, so Schmidt.

Bio wird immer wichtiger

Doch angesichts der Tatsache, dass Erdöl nicht in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung steht, rücken mineralölfreie Farben immer mehr ins Rampenlicht. Umweltschonende Farben sind im Kommen. „Besonders bei Unternehmen und vor allem Behörden, die selbst Wert auf Umweltschutz legen, bemerken wir eine steigende Nachfrage“, stellt Schmidt fest.

WAS SIND ÖKO-DRUCKFARBEN?

Unter Öko-Druckfarben versteht man Farben, bei denen sämtliche Mineralölanteile durch pflanzliche Öle ersetzt wurden. Sie sind dadurch leichter abbaubar. Bio-Farben lassen sich im Recycling beim De-Inking-Verfahren rückstandsfrei herauslösen. Lediglich die Farbmittel bzw. Pigmente bestehen noch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen und werden synthetisch hergestellt. Grund: Zurzeit gibt es keine natürlichen Pigmente mit vergleichbaren technischen Eigenschaften (Farbstärke, Brillanz, Lichtechtheit etc.).

Weitere Bausteine für ein nachhaltiges Druckprodukt

Papier:

Der Einsatz von FSC (Forest Stewardship Council) zertifizierten Papieren, d.h. es enthält Holz aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern oder anderen kontrollierten Herkünften hier in Deutschland und Mitteleuropa. Kurze Wege, Nachpflanzung bedeutet klimafreundlich und umweltverträglich.

In der Druckerei Gottschalk kommen keine „preiswerten“ Papiere aus Tropenholz oder aus Fernost zum Einsatz. „ Dies hieße doppelt zu KURZ-gesprungen zu sein, nämlich: KURZ-sichtig, KURZ-zeitig Profit auf Kosten der Natur zu erzielen. Wir sind eine Druckerei mit Familientradition in der 3. Generation. Wir wollen auch noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hier vor Ort arbeiten.“

Chemielose Vorstufe:

Bis Mitte des Jahrzehntes lief die Druckplattenherstellung wie folgt ab. Nach Freigabe des Erzeugnisses wurde ein lichtempfindlicher Film belichtet. Dieser wurde durch ein Entwickler-, dann durch ein Fixier- und durch ein Wasserbad geschickt, um anschließend mit großem Energieaufwand getrocknet zur werden. Anschließend wurde die Druckform vom Film mit Hilfe eines starken Lichtbrenners auf eine beschichtete Aluminiumplatte eingebrannt. Diese Platte wurde dann wiederum durch ein Entwicklerbad geschickt, ausgewaschen und getrocknet. Hierbei fielen große Mengen an Chemie (Entwickler, Fixierer) an, die kostenintensiv entsorgt werden mussten. Vom Wasserverbrauch und dem Energiebedarf ganz zu schweigen.

Seit der Installation des chemielosen CtP-Workflows im Jahr 2008 profitiert die Druckerei Gottschalk als erste in Sachsen-Anhalt von den Vorteilen der Azura-Platte aus dem Hause AGFA, angefangen bei der hohen Produktionsstabiltät über die Druckqualität bis hin zu den ökonomischen Vorteilen des Wegfalls der chemischen Druckplattenentwicklung.

Die Azura arbeitet mit einem einfachen Gummierungsverfahren, bei dem die Druckplatten in einem Schritt ausgewaschen und gummiert werden. Statt großer Mengen Chemie werden pro 300 qm belichteter Druckplatten lediglich noch etwa 20 Liter Gummierung benötigt.

Davon bleiben im Schnitt nur wenige Liter übrig, die das Medienhaus Gottschalk an einen Entsorgungs-Dienstleister übergibt. Zudem sind der bislang unvermeidbare Wasserkreislauf sowie die Beschaffung und die Bevorratung von Chemikalien weggefallen.

Weitere Fortschritte verspricht man sich im Medienhaus von der neuen Azura TS, die auf der drupa 2008 Weltpremiere feierte und von Agfa in Kürze ausgeliefert wird. Im Vergleich zur bisherigen Azura lässt sich die chemielose Druckplatte der zweiten Generation, deren Druckbild aufgrund eines höheren Kontrasts vereinfacht visuell kontrollierbar ist, mit dem Acento-CtP-System um etwa die Hälfte schneller bebildern, womit sich die Kapazität des Belichters auf gut 17 Platten/h erhöht.

Ökostrom:

Mit den Stadtwerken Kassel haben wir einen Versorger und Partner gefunden, der unsere Druckerei mit Strom versorgt, der zu 100% Wasserkraft hergestellt wird.